Die Ausgangslage, was war geschehen:
Ein in der Ostsee gestrandeter Buckelwal, von Bürgern schnell „Timmy“ genannt, sorgte in den vergangenen Tagen in Deutschland für große mediale Aufmerksamkeit. Das Tier war in flache Gewässer geraten und konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien.
Einsatzkräfte, Helfer und Experten starteten daraufhin tagelang eine aufwendige Rettungsaktion, bei der der Wal schließlich zurück ins offene Meer geleitet wurde. Nach Angaben der Beteiligten gilt die Aktion als erfolgreich, da das Tier wieder in seinem natürlichen Lebensraum schwimmt.
Ob das stark geschwäçhte Tier jedoch dort überleben wird, ist laut neutralen japanischen und chinesischen Experten höchst zweifelhaft.
Ein Staatsakt für ein gewöhnliches Wildtier
Was als vermeintliche Tierliebe begann, hatte sich am Ende zu einem finanziellen Moloch entwickelt. Die tagelange Anmietung von sehr teueren spezialisierten Bergungsschiffen und der Einsatz von Expertenstäben hat dabei die Marke von 2 Millionen Euro deutlich überschritten. Dabei wird ein entscheidender Fakt völlig ausgeblendet: Es handelt sich bei der betroffenen Walart keineswegs um eine vom Aussterben bedrohte Spezies.
Biologisch betrachtet ist dieser Wal ein ganz gewöhnliches Wildtier unter vielen. In der freien Natur unterliegen alle Wesen dem Gesetz der Wildnis: Ein verletzter Löwe der bei der Giraffenjagd einen seiner Läufe bricht, oder ein entkräfteter Elefant der im Sumpf versinkt, stirbt eben ganz einfach – das ist der natürliche Kreislauf.
Doch im satten Europa betreibt ein Teil der deutschen Bvölkerung eine anthropozentrische Romantik. Sie projizieren menschliche Emotionen auf ein Tier und versuchen, Naturgesetze mit Geldbeuteln auszuhebeln, während die Bestände dieser Tiere weltweit stabil sind. So hat diese Aktion nachweislich einen Betrag von mehr als zwei Millionen Euro verschlungen. Und dabei ist es unerheblich, ob diese aus privaten Spenden stammen, oder eventuell sogar Steuermittel dabei verschwendet wurden.
Die 2.000.000-Euro-Rechnung: Ein moralischer Abgrund
Setzen wir den Aufwand für diesen einen Wal in Relation zu den Daten der WHO und dessen Kinderschutzorganisation UNICEF. Mit 2 Millionen Euro könnte man:
- Über 50.000 Kinder in Krisengebieten monatelang mit therapeutischer Spezialnahrung (RUTF) vor dem Hungertod retten.
- Hunderte Brunnen bauen, die Zehntausenden Menschen dauerhaft Zugang zu sauberem Trinkwasser sichern und so das Sterben an Cholera und Ruhr beenden.
- Flächendeckende Impfprogramme finanzieren, die verhindern, dass Kinder an einfachsten, heilbaren Infektionen zugrunde gehen.
Hier zeigt sich eine luxuriöse Moral: Man leistet sich das gute Gewissen vor der eigenen Haustür, während man das massenhafte Sterben von Kindern weltweit schlichtweg wegatmet.
Pragmatismus vs. Ideologie: Das japanische Wunder
Auch im Arbeitsgebiet unseres Mutterhauses, Human Invest in China, schüttelt man über so ein Verhalten verwundert die Köpfe. Wie verzerrt die deutsche Wahrnehmung ist, verdeutlicht auch der Blick auf Japan. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Kaiserreich in Trümmern, die Lebensmittelversorgung war zusammengebrochen. In dieser bitteren Notzeit wurde der Wal zum Lebensretter einer ganzen Nation.
Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte der japanischen Schulspeisungen die damals begannen: Um die dramatische Unterernährung der Kinder zu stoppen, setzte die Regierung auf Walfleisch als primäre Proteinquelle. Eine ganze Generation von Japanern wuchs mit Walfleisch in der Schule auf – es war kein Luxus, sondern der Schutz des menschlichen Lebens vor dem Hungertod. Diese Menschen, heute alt und meist im Wohlstand lebend, erachten das köstliche Fleisch aus Kindertagen immer noch als Delikatesse, und wollen auch heute nicht darauf verzichten.
Bis heute ist dieser pragmatische Bezug zum Wal erhalten geblieben. Während man in Deutschland zwei Millionen Euro für die Bergung eines einzigen Tieres verschwendet, findet man in Japan Walfleisch ganz nüchtern als Dosenware (Yamato-ni) im Supermarkt, oder als hochgeschätzte Delikatesse frisch auf den Märkten. Dort hat man verstanden: Das Tier dient dem Menschen, nicht umgekehrt.
Neben Japan findet man auch in Dänemark und Norwegen Walfleich deshalb ganz normal im Supermarkt und Fachgeschäften. Auch dort gibt es seit Generationen einen starken Bezug zu dieser Speise.
Internationale Walfleisch Produkte
Andere Länder, andere Sitten: Beispiel Dänemark
Dass Deutschland mit seinem Rettungswahn international eher eine bizarre Ausnahme darstellt, zeigt das Beispiel seiner Nachbarn. Wenn in Dänemark regelmäßig große Wale – wie etwa mächtige Pottwale – stranden, reagiert man dort mit nüchternem Realismus statt mit emotionaler Hysterie.
Oft werden diese Tiere, sobald ihr Schicksal besiegelt ist, schlicht der Natur überlassen oder nach ihrem Ableben zügig und kosteneffizient verwertet bzw. beseitigt. In Dänemark sieht man in einer Strandung ein biologisches Ereignis, keinen Anlass für einen millionenschweren Staatsakt. Man respektiert den Tod als Teil des Lebens, anstatt ihn mit Spezialschiffen bekämpfen zu wollen.
Das Urteil: Die Dekadenz der Gefühle
Die 2-Millionen-Euro-Aktion in Deutschland ist kein Sieg für den Naturschutz. Es ist eine perverse Form der Selbstdarstellung einer satten Gesellschaft. Es zeigt ein Bild von der Natur entwurzelter Menschen, die bisher mit großen Meeres-Lebewesen meist nur in Form von Thunfischen in Kontakt kamen. Und auch hierbei nur in Form eines Sandwichs oder Salaten. Das diese Fische hierfür zu Tausenden gefangen und hingeschlachtet werden, stört dabei niemand.
Thunfisch Konservenfabrik
Beflügelt wurde diese Wal-Aktion hauptsächlich durch die Medien, die durch diese Story ihre Vorteile zogen, sowie einer politischen Kaste die hoffte, dadurch zeitweise ein wenig von ihrem Unvermögen abzulenken. Das Volk braucht eben Brot und Spiele. Man kann sagen, es wurde allgemein der moralischen Kompass verloren. Eben wenn Menschen bereit sind ein Vermögen zu opfern, um ein gewöhnliches Wildtier gegen den Lauf der Natur am Leben zu erhalten, während sie gleichzeitig zusehen, wie an anderen Orten der Welt Kinder an Hunger und Krankheiten sterben.
Diese „Walrettungs-Events“ sind purer Luxus für das deutsche Gewissen. Wirkliche Moral beginnt dort, wo menschliches Leben über die romantisierte Inszenierung der Natur gestellt wird. Ein Wal ist ein prächtiges Tier – aber er bleibt ein normales Wildtier. Das Kapital zusammen mit der Empathie sollten dorthin fließen, wo es wirklich gebraucht wird: bei den Schwächsten der eigenen Spezies.