„Made in Germany“ – jahrzehntelang das stärkste Gütesiegel der Automobilindustrie. Kein anderes Label genießt weltweit mehr Vertrauen. Doch ausgerechnet beim Elektroauto bricht dieses Versprechen. Die neue Studie von Berylls by AlixPartners, einer international führenden Automobilberatung mit Hauptsitz in München, zeigt: Deutsche Hersteller enttäuschen ihre Kunden, besonders in China.
Die Daten: Vertrauen ja, Zufriedenheit nein
- 8000 Autokäufer in 11 Ländern wurden befragt.
- Nur 12 % weltweit schließen deutsche Autos grundsätzlich aus – der niedrigste Wert aller Herkunftsländer.
- Doch bei E-Autos kippt das Bild: 23 % der Fahrer deutscher E-Autos würden kein deutsches Auto mehr kaufen. Bei chinesischen Marken sind es nur 13 %.
- Made in Germany bleibt stark bei Verbrennern, verliert aber bei E-Autos massiv an Glaubwürdigkeit.
China: High Tech statt Billigmarkt
Die Studie widerlegt den gängigen Mythos, deutsche E-Autos seien schlicht zu teuer. In China nennen nur 8 % der Käufer den Preis als Hürde. Entscheidend sind Qualität, Reichweite, Software und digitale Erlebnisse. 77 % der chinesischen E-Auto-Käufer legen Wert auf Materialqualität – deutlich mehr als Verbrenner-Käufer weltweit.
China ist kein Billigmarkt. China ist ein High-Tech-Qualitätsmarkt. Und genau hier verlieren deutsche Hersteller.
Autonomes Fahren: Freiheit vs. Sicherheit
Jeder vierte Chinese erwartet von seinem nächsten Auto Level 4 oder 5 autonomes Fahren. Motivation: 69 % wollen Stress im Alltag reduzieren – Autonomie bedeutet Freiheit. In Deutschland und den USA sehen Kunden autonomes Fahren vor allem als Sicherheitsfeature. Nur 10 % der Deutschen würden dafür extra zahlen.
Das Ergebnis: Wo deutsche Hersteller noch stark sind, will kaum jemand zahlen. Wo die Nachfrage groß ist, kaufen die Kunden längst bei der Konkurrenz.
Das Innovator’s Dilemma
Deutsche Hersteller bauten jahrzehntelang die besten Verbrenner der Welt. Bessere Motoren, bessere Verarbeitung, besseres Fahrwerk. Doch während sie Perfektion im Bekannten suchten, erfanden andere das Auto neu. Erst Tesla, dann chinesische Marken wie Li Auto, Huawei oder Xiaomi.
Die erste Generation deutscher E-Autos enttäuschte. Das zeigen die Daten. Milliarden-Investitionen ins Aufholen führten zu Einsparungen bei Qualität – und damit zu einer Abwärtsspirale.
Schicksalsmodelle: Die zweite Generation
Noch ist nichts verloren. Made in Germany hat weltweit weiterhin das höchste Vertrauen.
Die zweite Generation deutscher E-Autos kommt jetzt – technologisch auf einem völlig anderen Level.
Doch man muss sich ehrlich fragen: Sind das überhaupt noch deutsche Fahrzeuge.
Ist ein Xpeng mit VW Logo denn Made in GERMAN?
Nun, VW war schon immer sehr gut darin ihre Kunden zu belügen (man denke nur an den Diesel Skandal). Aber diesmal ist es offensichtlich, fast alle der in China angebotenen Fahrzeuge werden auch dort produziert. Fahrzeuge von denen die Deutschen in Punkto Preis, Design und Ausstattung erst einmal nur träumen können.
Momentan sind sie nur für die anspruchsvolleren chinesischen Käufer konzipiert. Beim genannten Beispiel VW heisst deshald auch deren neue Markenstrategie schon heute: IN CHINA FOR CHINA. Und Volkswagen, dass aus einer Zeit kommt wo die Deutschen noch "ein Volk" waren, passt vielleicht sowieso besser zur Vollsrepublik. Einen VW Aura, ERA, EVO... wird es deshalb erst später in Deutschland geben. Für die Deutschen, die mehr "Verbrenner" lieben, wird eventuell noch eine Weile der in Mexico gefertigte Golf angeboten.
Wer denkt dass ist auf VW beschränkt irrt sich. Bei Mercedes, BMW, Audi sind ähnliche Dinge im Gange. Den tollen neuen China Audi, ohne die Ringe am Kühlergrill, gibt es ebenfalls nicht in Deutschland.
Der HITT (Human Invest Think Tank) hat die Lage analysiert und macht eine klare Zukunftsprognose. Die Marken bleiben zuerst bestehen, dann werden aber immer mehr deren Komponenten im Ausland gefertigt, bis schliesslich das ganze Fahrzeug von dort kommt. Dies konnte man sehr gut an den Produkten der früher noch in Deutschland existierenden Fernseh-, Audio-, und Fotoindustrie sehen. Am Schluss blieben die Gehäuse, während das Innenleben aus Asien (damals war es Japan) kam.
Mit der Zeit waren jedoch die deutschen Käufer schon so an asiatische Technk gewöhnt, bis diese auch in den Stand von Markenqualität erhoben wurde. Einer der Ersten war damals Sony. Einige der deutschen hersteller überlebten jedoch, nämlich diejenigen die sich ins absolute Luxussegment mit niedrigeren Stückzahlen zurückzogen.
Diese neuen Modelle der deutschen Automobilindustrie sind deshalb Schicksalsprodukte. Sie entscheiden, ob deutsche Hersteller in zehn Jahren noch als Qualitäts- und Innovationsführer gelten. So oder so, mit Deutschland als Produktionsstandort wird es wohl langfristig für deutsche Marken vorbei sein. Möglich jedoch, dass einer der chinesischen Hersteller in Deutschland zu produzieren anfängt, wahrscheinlich in kleinen Stückzahlen mehr zur Show, um den Restglanz des MADE IN GERMANZ auf sich zu übertragen.